Ob schnell oder langsam – der Holzweg ist ein Erlebnis

Ab und zu gehe ich Touren ein zweites Mal. Ob nun ein Jahr später, zu einer anderen Jahreszeit oder einfach weil die Wanderung so schön war. Aber das ich eine Tour innerhalb von nicht mal 2 Wochen wiederhole war auch eine Premiere.

PfadeFelix, der Wegemanager des Natursteig-Sieg und der Erlebniswege, hatte mir vor Wochen den Holzweg mal als eine ganz besonders schöne Laufrunde angepriesen. So sind wir beide vorletzte Woche diesen Weg, der mit knapp 11km und 400hm aufwartet, gemeinsam nach Feierabend gelaufen.

Da ich aber in den 1,5 Stunden nicht ein einziges Foto von den wunderschönen Eindrücken gemacht habe, die sich mir auch in flottem Tempo boten, beschloss ich diese Tour noch einmal als das anzugehen, was sie eigentlich war: ein Rundwanderweg.

Also wurde heute Mittag ein wenig früher alsDerenbach sonst Feierabend gemacht, sich im Büro in die kurze Hose geschmissen und ab ging es in Richtung Bröl im Siegtal. Direkt am Parkplatz glitzerte die Sonne bereits auf dem Derenbach und das erste Foto war im Kasten.

Dann kam der Anstieg, der mir vom Lauf noch gut in Erinnerung geblieben ist. Ein schmaler Pfad, links und rechts mit Moos besetzt, der sich langsam aber stetig zwischen den Bäumen auf dem ansteigenden Bergrücken empor schlängelt. Jeder Trailläufer hätte an diesem Pfad seine wahre Freude. Aber auch in gemütlichem Tempo mag ich es am Anfang der Tour einen Anstieg zu haben.

AusblickOben angekommen erwartete mich ein Blick Richtung Bröl, und auch wenn dieser nicht ganz frei war und einige Bäume davorstanden konnte man die bunte Herbstfärbung des gegenüberliegenden Waldes gut erkennen. Am Wegesrand wuchsen Pilze, Moos auf Totholz, die Sonne zauberte eine besondere Stimmung und überall  buntes Laub. Dazu diese unglaublich warmen Temperaturen.

Selbst im Schatten war mir heute mit derin kurzen Hosen unterwegs kurzen Hose nicht kalt. Ich konnte jeden Lufthauch an den Beinen spüren, jede noch so kleine Temperaturveränderung die die unterschiedlichen Abschnitte im Wald haben durch die der Weg mich führte. Zwischen den Tannen war es wärmer als in dem Abschnitt mit den mächtigen Buchen vorher.

Auf den offenen Flächen spürte ich die Sonne auf der Haut. Als Anfang der Woche über 23Grad angesagt wurden hätte ich das nicht wirklich für Möglich gehalten. Für mich war der Nachmittag jedenfalls der pure Herbstgenuss!

WaldpfadAber zurück zum Weg, der immer wieder durch die Wegeführung für Abwechslung sorgt. Dabei hilft auch der nachhaltig bewirtschafteten Wald. Man merkt einfach, dass hier langsam aber sicher ein eigenes Ökosystem entsteht.

Es sieht einfach anders und wilder als in so manch anderen Wäldern aus. An einer Stelle hab ich mich fast wie im Hohen Venn bei meiner Wildnis-Tour gefühlt. Schon bei dem gemeinsamen Lauf mit Felix ging mir das so und ich musste spontan stehenbleiben um diese Eindrücke – wenn schon nicht auf Foto – so wenigstens in mein Gedächtnis zu bannen. Aber diesmal war die Kamera ja dabei:Venn-Feeling

Es gibt Stellen, die beim Laufen ganz schön tricky waren, beim wandern durch das moderate Tempo aber gut zu meistern. Äste auf dem WegHin- und wieder kann es vorkommen, dass auch mal einige Äste quer über dem Weg liegen. Das hat aber nix damit zu tun, dass Felix seinen Job nicht gemacht hat, das gehört so😉
Mit gutem Schuhwerk ist das aber kein Problem.

Nach ungefähr 3km geht es ein längeres Stück auf einem Pfad ganz schön steil runter. Da muss man schon ein wenig aufpassen, danach erfolgt aber direkt wieder ein Anstieg. So bleibt einem immer schön warm😉 Der Holzweg schickt einen – genau wie der Rheinsteig – immer schön auf und ab.

WinterscheidAuf der Hälfte der Strecke kommt man am Parkplatz der Winterscheider Mühle vorbei. Hier bin ich jedoch bei keiner der Touren eingekehrt. Kurz danach wird man durch Winterscheid geführt. Ein kleines und beschauliches Örtchen mit wunderschönen Fachwerkhäusern die aufwendig restauriert werden und wurden. Dorfidylle

Kurz vor dem Ende des Dorfes ein Springbrunnen, daneben ein Café und ein mobiler Bäcker, der seine Waren anbietet. Auf der Terrasse des Cafés sitzen einige Gäste und genießen die Sonne an diesem warmen Freitagnachmittag. Wochenendstimmung.

Weite und zaunlose WiesenflächenEin kurzes Stück geht es noch über Asphalt um dann auf einen Feldweg abzubiegen nochmals einen kleinen Waldabschnitt zu passieren um dann ein für mich weiteres Highlight, der Blick über die riesigen Wiesen zu haben.

Zwar führt eine Straße hindurch, aber kein Zaun ist weit und breit zu sehen. Die Wiese ist ganz frisch abgemäht und feine, parallele Linien ziehen sich über die gesamte Fläche. Es riecht sogar nach Gras. Ich bin kurz versucht, mich hier einfach in die Sonne in das frische Gras zu legen, lasse es aber, weil ich ja weiß, welch schöne Abschnitte mich noch erwarten.

Der Holzweg - ein Erlebnis

Ein schmaler Pfad führt nach der Straße scharf links den Hang hinab und dann geht es mitten über eine weitere riesige Wiese. Kein Weg ist zu erkennen und zunächst denkt man: wohin? Immer auf den einzelnen es geht wieder in den WaldBaum zu und dann kurz durch den Ort.  Hier wird der Weg dann wieder ein bisschen „wilder“, es geht hinauf und an einigen Stellen ist es auch matschig.

Es geht durch Schreckenberg, an grasenden Schafen und Kühen vorbei und ein Stück über den Forstweg. Eine Hütte wird passiert und nach einem langen gewundenen Waldweg führt der Weg am Ende ein kurzes Stück an der Straße entlang bis zum Parkplatz zurück.

Mein Fazit:

Was „Der Holzweg“ auf nicht einmal 11km an Abwechslung bietet fand ich schon beim ersten Mal beeindruckend. Und die Tour heute hat das sogar noch bestätigt. Vor allem die vielfältig wechselnden Waldabschnitte, ob Buchen- oder Tannenwald, dann wieder durch Mischwald. Diese Eindrücke grade zu dieser Jahreszeit sind schon was besonderes.

Bänke am WegesrandDie Wegeführung bietet überwiegend naturbelassene Wege und viele schöne Pfade. Der Asphaltanteil ist zu verschmerzen. Dazu ausreichend Weitblicke und Aussichten und schön verteilt über die Strecke gibt es zahlreiche Bänke und einige Schutzhütten. Allein die große Anzahl an  Bildern (und ich konnte mich mal wieder kaum entscheiden…) zeigt mir wie vielfältig und außergewöhnlich dieser Rundweg ist. 

Warum der Weg mich begeistert hat lag vielleicht an den Endorphinen, die ich beim Laufen hatte. Heute war es unter Umständen das tolle Wetter. Mag sein. Trotzdem kann ich diesen Weg jedem ans Herz legen.

Einen Abzug gibt es allerdings: Hmm… naja.Wegemarkierung auf dem Erlebnisweg Wie soll ich sagen?😕 Die Beschilderung könnte an 2-3 Stellen besser sein. Ganz ehrlich. Auch wenn der Weg grade erst im September eröffnet wurde. Beim ersten Mal bin ich ja Felix, der die Strecke in und auswendig kennt, hinterhergelaufen und hab da nicht so drauf geachtet. Aber heute hab ich aufgepasst.

Daher meine Bitte an jeden, der die Tour gehen will und kein GPS hat: Nehmt eine Karte mit bzw. druckt Euch über das Tourenportal der Wandermagazin Seite die Karte im “Ganzseitigen Kartenauschnitt” mit 1:25.000 aus. Damit wird die Karte entsprechend vergrößert auf 2 Seiten ausgedruckt. Wer die Broschüre der Erlebniswege nicht hat druckt dann zusätzlich noch die Beschreibung aus. Die kleine Karte in der Broschüre reicht für diese Tour derzeit nicht aus.

Mein Tipp: Auch wenn man manche Rundwege in jede Richtung gehen kann, beim Holzweg unbedingt so, wie es auch empfohlen wird, entgegen dem Uhrzeigersinn gehen, damit man diese Eindrücke auch genauso mitnehmen kann.

Hier mal die verschiedenen Links:

Tourenportal Wandermagazin (leider gibt es keinen Direktlink zu der Tour)
Im ersten Suchfeld „Holzweg“ eingeben, dann erscheint die passende Tour.

Link zu der Broschüre: Erlebniswege Sieg

Link zu der Seite des Siegtals: Erlebniswege Sieg

Und ganz viele weitere Bilder gibt es auf meinem Track bei GPSies

Wie immer ein paar Eindrücke:

Bunter Herbst
Bunter Herbst

Naturwege
Naturwege

Venn-Feeling im Herbst
Venn-Feeling im Herbst

der Blick zurück
der Blick zurück

Details
Details

Pilze in Hülle und Fülle
Pilze in Hülle und Fülle

Herbststimmung
Herbststimmung

Farbe
Farbe

Fachwerk in Winterscheid
Fachwerk in Winterscheid

danach wieder Weitsichten
danach wieder Weitsichten

Muster
Muster

wieder im Wald
wieder im Wald

wild & wunderschön
wild & wunderschön

Über Angelica Hocke

Wandern | Bloggen | Outdoor | Reisen | In meinem Blog gibt es Berichte zu Touren mit und ohne GPS, Tipps zu Equipment, Tourenplanung, News und allem rund ums Wandern in NRW & Rheinland-Pfalz ebenso Reiseberichte zu den schönsten Wanderregionen. Du findest mich auch auf Facebook, Google+ und bei Twitter
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16 Antworten zu Ob schnell oder langsam – der Holzweg ist ein Erlebnis

  1. Michael Waschkau schreibt:

    Habe gerade deine Beschreibung als gute Nacht Geschichte gelesen und werde heute
    Nacht vom herbstlichen Wald träumen. LG Michael

  2. Karin schreibt:

    Nochmal hallo- sieht wirklich schön aus – und irgendwann schaffe ich es auch mal nach NRW🙂

  3. Thomas schreibt:

    Da warst du praktisch das erste mal im Bergischen Land!

  4. Manfred Bauer schreibt:

    Hallo Angelica, war erst letzten Sonntag im Bergischen unterwegs, hatte leider nicht das Glück mit dem Wetter. Aber danke für den schönen Bericht, werde den Holzweg sicher mal gehen.

  5. Sonja schreibt:

    Hallo Angelica,

    ich gehe manche Touren auch öfter wenn sie mir gut gefallen. Ich bin da ganz flexibel unflexibel. Mein persönlicher Hit war mal 5-mal dieselbe Tour in einem Jahr. Im Mai waren noch Schneefelder zu sehen, im Juni dann Ungarischer Enzian und im September hatte es schon wieder den ersten Frost. Die Tour war jedes mal anders schön, weil sich die Natur ständig verändert und es jedesmal was anderes zu entdecken gibt. Das macht Freude.

    • Angelica schreibt:

      Hallo Sonja
      Warum auch nicht? Manchmal reicht auch wenn das Wetter unterschiedlich ist und so können Wanderungen im Nebel einen besonderen Reiz haben und neue Eindrücke bieten. Ich mag das auch, wobei wir hier im südlichen NRW und Rheinland-Pfalz so viel Auswahl an tollen Wegen haben, das ich bisher noch keinen Weg 5mal gegangen bin. Die Bezeichnung „flexibel unflexibel“ gefällt mir😉
      Lieben Gruß Angelica

  6. Jürgen aus Bornheim schreibt:

    Hallo Angelica,

    zwar ist es bei mir heute nicht der Weg um die Wahnbachtalsperre geworden; aber ich hatte noch den Holzweg auf meiner Liste für Touren in der Winterzeit, von dem du ja so euphorisch berichtet hast. Auch mir gefällt dieser Weg mit Ausnahme der beiden letzten Kilometer (Waldautobahnen mag ich nun gar nicht) seeeehr gut.
    Mittlerweilen ist die Kennzeichnung auch so, dass man noch nicht einmal mehr eine Karte benötigt.

    Viele Grüße und noch einen schönen restlichen Sonntag
    Jürgen aus Bornheim

    • Angelica schreibt:

      Hallo Jürgen
      auch hier ein großes Dankeschön für Dein Feedback, insbesondere bzgl. der Markierungen.
      Und die Wahnbachtalsperre läuft ja nicht weg😉
      Ganz liebe Grüße schickt Angelica

  7. Pingback: Natursteig Sieg – Etappe 2 – Hennef nach Blankenberg | WandernBonn.de

  8. Tobias Kramer schreibt:

    Hallo Angelica,

    nachdem ich hier deinen Bericht gelesen habe, bin ich gestern auch einmal auf dem „Holzweg“ gewesen🙂

    Ich kann deinen positiven Eindruck nur bestätigen, vielen Dank für den Tipp – Gerade jetzt im Frühling blühen die Wiesen in der Gegend übrigens echt toll!

    Viele Grüße aus Köln,

    Tobi

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Tobi
      Herzlich gern und Danke für Deine Rückmeldung.
      Freut mich, wenn ich mit meiner Begeisterung nicht auf dem „Holzweg“ war🙂
      Viele Grüße nach Köln schickt
      Angelica

  9. Manuel schreibt:

    Wir können uns der Euphorie hier überhaupt nicht anschliessen…
    Haben jetz schon viele Wanderungen von „Wanderbonn“ gemacht und sind eigendlich nie richtig Enttäuscht worden … Dafür erstmal ein dickes Lob …Am heutigen sonnigen Donnerstag haben wir uns den Holzweg vorgenommen… Leider wurden unsere Erwartungen an den Rundweg nur teilweise bis gar nicht erfüllt… Gute 60% der Wanderung verlaufen auf Wirtschaftswegen Oder Waldautobahnen , wobei der Asphaltanteil von 10% noch am ehesten zu verschmerzen ist. Es gibt genau 1 herrausragenden Streckenabschnitt (Der Wiesenpfad mit Weitblick ins Tal hinter Winterscheid) der wirklich etwas besonderes ist… Die wenigen Pfade zwischendurch können da auch nix mehr retten, auch wenn wenige Meter davon märchenhaft schön wirken…
    Fazit: Durchschnittliche Waldwanderung ohne Wiedererkennungswert für die sich eine lange Anfahrt (so wie wir sie hatten von 125km) definitiv nicht lohnt

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