Schnee, Sonne & mystische Stimmung im Wallonischen Venn

Auf der Suche nach Schnee wurde ich am Wochenende abermals fündig. Am Samstag ging eine Regen- und Schneefront über die Eifel und in höheren Lagen blieb das Zeug sogar liegen, wie mir auch die Webcam in Mont Rigi vorab zeigte. Das sah doch schon ganz nett aus, also sollte sich die Anfahrt sicher lohnen.

Die Idee am Baraque Michel zu starten, würden sicher auch viele andere haben, also musste ich mich relativ früh auf die Socken machen, um den breiten Maßen zu entkommen. Sonntagsmorgens lass ich mich jedoch ungern hetzen und geh das ganze dann doch gern gemütlich an, so dass ich erst gegen halb Neun startklar war.

IMG_6010Gut 1,5 Stunden später brachte mich der Smart hinter Eupen dann langsam in die Höhe. So ab 500hm gab es dann auch den ersten Schnee, der mit jedem Meter hinauf mehr und mehr wurde. Sogar die Spitzen der Bäume waren bis in die kleinsten Äste mit Schnee bedeckt. Mit dem ratzblauen Himmel dahinter ein Fest für die Augen.

Auf dem Parkplatz am Baraque Michel auf gut 675hm waren um die Zeit grade mal eine Handvoll Autos. Ich überlegte kurz, welche Route ich einschlagen sollte und entschied mich für die Ostseite, die ins Wallonische Venn führt. Vorab kurz ein Foto von der Kapelle in Fischbach und los ging es.

IMG_6014Der Schnee hier sah aus, als hätte jemand mit einer Schaumkanone die Bäume besprüht. Dick und satt lag er auf den schmalen Ästen.

Die Spuren vom Vortag ließen sich im Schnee gut ausmachen, aber noch war hier nicht viel los. So marschierte ich zunächst durch den im Schatten gelegenen Pfad, bis ich auf die offene Fläche kam.

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IMG_6026Der schneebedeckte Steg führt mich weiter geradeaus. Ich war gespannt, wie weit ich dort kommen würde, denn bei meiner letzten Tour hier – wo allerdings bedeutend mehr Schnee lag – wurde aus meiner Wanderung ein kleines Schneeschuh-Abenteuer, da die Stege irgendwann fehlten und ich im tiefen Schnee kaum die Route ausmachen konnte. Aber das ist eine andere Geschichte…

Heute lag nicht ganz so viel Schnee und immerhin hatte ich heute Spuren, denen ich folgen konnte. Diese führten sogar alle in Richtung des Wallonischen Venns, also musste es dort wohl irgendwie weitergehen. Tat es auch und das knirschen des Schnees unter den Sohlen übte sich im Gleichklang mit meinen Schritten über die Holzbohlen.

Die Landschaft scheint fast unendlich zu sein und in weiter Ferne ziehen tiefe Nebelschwaden durch die Landschaft. Die Bäume wirken so eingeschneit und steif gefroren irgendwie bizarr. Immer wieder zücke ich die Kamera, um das alles einzufangen.

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IMG_6073Neben den Stegen erkenne ich tief eingeschneit die Überreste der alten und verrotteten Stege, die mir seinerzeit keine wirkliche Hilfe waren.

Dann endet der Steg und es geht auf einem Pfad weiter. Da die Temperaturen mit grade mal -1°C nicht ausreichen, um den Matsch fest werden zu lassen, wird der Abschnitt zu einem kleinen Slalomlauf um den tiefen Seicht- und Matschstellen auszuweichen.

IMG_6111Es folgen wieder Stege und Pfade durch Matsch- und Schnee und der Hill entlang, die sich durch das Bachbeet schlängelt, bis ich die Brücke erreiche.

Nun geht es aufwärts und ich muss immer wieder die passenden Stellen finden, um nicht in den teils tiefen Pfützen einzusinken.

Die Torfschicht hier im Hochmoor saugt das ganze Wasser auf wie ein Schwamm und nasse Füße wären jetzt nicht so prickelnd.

IMG_6131Ab hier führt mich der Weg am Waldrand entlang in südliche Richtung und bald kann ich in der Ferne das Signal de Botragne erkennen.

Irgendwo an der Stelle – wo ich seinerzeit in den Schnee eingebrochen bin – steht ein großer Steinquader, der sich für eine kleine Teepause anbietet.
.

IMG_6132Während ich den Schnee wegwische und den Tee auspacke, kommen die beiden Pärchen, welche die ganze Zeit ein gutes Stück hinter mir gingen, an mir vorbei und wir Grüßen uns.

Ich lasse mir den Tee schmecken, auch wenn es sich mittlerweile ein wenig zugezogen hatte. In der Ferne kann ich immer noch sonnige Abschnitte rund um das Baraque Michel ausmachen.

Nach der Pause bin ich weiterhin darauf bedacht, nicht einzusinken. Eine riesige Wandergruppe mit gut 20 Personen stakst in ähnlicher Art & Weise an mir vorbei und ich grüße brav mit einem freundlichen „Bonjour“.

Irgendwann verlasse ich den Weg und folge dem GR56. Von hier oben hat man eine ungefähre Ahnung von der Weite der Landschaft. Ganz hinten rechts auf dem Bild ist das Signal de Botragne zu erkennen und bis dorthin sind es noch gut und gerne 4 Kilometer.

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IMG_6159Der Weg führt leicht bergab und dann stetig wieder an. Auch hier ist „Matsch-Hopping“ angesagt 😉

Oben auf dem Querweg angekommen sind dann auch deutlich mehr Leute unterwegs.

Die Kinder haben ihren Spaß mit dem Schnee und werfen Schneebälle.
.

IMG_6177Das Signal de Botragne lass ich dann allerdings links liegen und werfe lediglich einen Blick zurück.

Die Sonne versucht auch weiterhin sich durch die Nebelwolken zu kämpfen, was dem ganzen eine mystische Stimmung verleiht.

Mit Blick Richtung Norden geht es nun weiter.

In der Ferne klar es leicht auf und immer mal wieder ist blauer Himmel zu erkennen. Auf dem Abschnitt wo ich nun unterwegs bin, sind normalerweise die Langläufer unterwegs.

IMG_6199Heute ist hier allerdings noch nicht gespurt und so tummeln sich vereinzelt Wanderer hier herum.

Am Ende darf ich wieder auf den Stegen wandern und muss mich immer wieder umdrehen um auch diese Mystische Stimmung einzufangen.

Bald gelange ich auch wieder an den ersten Abschnitt, der mich über die Stege – noch mit einigen Fotomotiven – zurück zum Baraque Michel bringt.

Mein Fazit:

Ich bin einfach glücklich & zufrieden, wenn ich im Schnee rumturnen kann. Aber auch so hat die Runde ihren Reiz, vor allem durch die unglaublichen Fernblicke. Angst vor Matsch darf man allerdings nicht haben. Um dem zu entgehen, müsste es schon deutlich kälter sein und ggf. mehr schneien.

IMG_6234Mein Tipp: Möglichst früh starten, dann ist dort noch nicht ganz so viel los. Bei meiner Rückkehr um halb Drei, war der Parkplatz gerammelt voll.

Die Runde, die ich gemacht hab, ist 14km lang und hat ca. 200hm. 4 Stunden sollte man schon einkalkulieren.
Hier der GPS-Track.

Auch wenn die Tour nicht viele Höhenmeter hat, das stapfen durch den Schnee und das ausweichen an den seichten Stellen, erfordert etwas mehr Kraft, was nicht unterschätzt werden sollte.

IMG_6115Pflicht bei dem Wetter sind natürlich wasserfeste Schuhe mit gutem Profil (weil teilweise auf den Stegen Eis liegen kann) und Gamaschen.

Wenn man unsicher ist, ruhig die Stöcke mitnehmen. So kann man vorab prüfen, wie tief so eine „Pfütze“ ist.

Die Beschilderung dort ist relativ mau, also nix im Vergleich zu unseren Premiumwegen.

IMG_6070Viele Schilder sind dazu noch eingeschneit. Gut ist natürlich, wenn man nicht grade im frischen Schnee unterwegs ist, und so den Spuren anderer folgen kann. Wer sich dort nicht auskennt, sollte auf jeden Fall eine Karte oder ein GPS-Gerät mit sich führen.

Die Tour bewegt sich von ca. 580hm bis gut 700hm, was bei entsprechender Witterung relativ Schneesicher ist. Über die Schneehöhen kann man sich ganz gut über die Webcam von Mont-Rigi (das liegt zwischen Baraque Michel und dem Signal de Botragne) informieren. Ansonsten gibt es noch eine Seite mit dem Schneelagebericht von dort. Die Seite Eifelwetter bietet vorab aktuelle Informationen über das Wetter in der Region.

Das war jetzt meine dritte Schneetour im Hohen Venn, wobei die Schneeverhältnisse jedes Mal unterschiedlich waren. Im Februar 2012 war ich dort zum Sonnenaufgang unterwegs. Ein Jahr später gab es dann mein eben erwähntes Schneeschuh-Abenteuer.

Hier noch ein weitere Informationen:

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Über Angelica Hocke

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22 Antworten zu Schnee, Sonne & mystische Stimmung im Wallonischen Venn

  1. Jörg schreibt:

    Eine wunderschöne Gegend die scheinbar bei jedem Wetter ihren Reiz hat. Bei unserer Bloggerwanderung hatte es ja leider geregnet aber auch da war die Landschaft beeindruckend. Boah, da hast Du aber tolles Fotowetter erwischt! Klasse Bilder!

    Liebe Grüße aus Limburg! Jörg

  2. Wilfried schreibt:

    wenn die Tour so traumhaft war, wie Deine Bilder,
    na dann herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung und Routenplanung.

    Ich glaube mein Wauzi hätte sich wie ein Schneekönig gefreut, wenn er mitgedurft hätte.
    (Der musste aber zuhause bleiben, da ich voll mit Krippenausstellung im Heimatdorf dicht war)

  3. guidowke schreibt:

    Nächstes Jahr nehme ich mir die Strecke Eupen-Signal de Botrange vor, wohl eine der anspruchvollsten in Belgien. Von Monschau nach Eupen ist übrigens auch sehr schön (nur am Wochenende fährt ein Bus). Und ergänzend noch diese Information: http://www.eastbelgium.com/freizeit/wandern/fernwanderwege/gr56/ LG, Guido

    • Angelica Hocke schreibt:

      Stimmt, das ist ja Dein Revier 🙂
      Mir ging es bei der Runde Sonntag eher um die Schneesicherheit, weil es hoch genug liegt.
      Und von Eupen (das liegt ja so auf ca. 350m) geht es wirklich ordentlich hoch… Den Anstieg hab ich mir Sonntag gespart 😉
      Danke für den Link & viele Grüße

  4. Steffi schreibt:

    Wow, das sind unfassbar schöne Bilder! Vielen Dank, dass du uns an deinen Schnee-Erlebnissen teil haben lässt. Meine kleine Wochenendrunde im Kottenforst war auch schön, aber auf diese Ausblicke bin ich definitv neidisch 🙂
    Lieben Gruß Steffi

  5. Lothar Herget schreibt:

    Hallo Angelica,
    wenn man deine Bilder sieht dann bekommt man richtig Lust diese Tour zu wiederholen.
    Du scheinst ja wahnsinnig viel Glück 🍀 gehabt zu haben.
    Sonnenschein, blauer Himmel und dazu der Schnee mit den Eiskristallen ohne dem es sicherlich nur halb so schön gewesen wäre.
    Ich kann deine Begeisterung für die Schneewanderungen gut nachvollziehen, da es mir genauso geht.
    Am schönsten finde ich es als erster in unbefleckter Natur zu laufen.
    Ich wünsche uns für diesen Winter noch viele solcher schönen Touren bei strahlend blauem Himmel und am besten noch mit Sonnenschein.

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Lothar
      Die ersten Schritte im Schnee haben dort Samstag bereits andere gesetzt. Ich hatte das Glück der „Erstbegehung“ ja letzten Dienstag an der Hohen Acht, von daher war das für mich auch so ok, zumal ich ja durch die Spuren besser sehen konnte, das es an dem damals zerstörten Stegen doch weitergeht.
      Deinen Wünschen schließe ich mich an und schicke liebe Grüße
      Angelica

  6. Diva schreibt:

    Whow! Was für eine Märchenlandschaft! L.G. Anja

  7. Alex schreibt:

    Das sind ja wirklich traumhafte Bilder! Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, und sagen das es wie ein Märchenlandschaft aussieht!

    Du hast auch ein gutes Auge für die Motive. Welche Kamera benutzt Du denn für deine Wanderfotos?

    LG Alex

  8. Viviane schreibt:

    Hallo Angelica,
    da hast Du ja wieder wunderschöne Sehnsuchtsbilder gemacht. Sieht wirklich nach einem super schönen Sonntag und einer tollen Tour aus. Das Hohe Venn steht ganz oben auf der Liste – wenn (falls…) das Wetter stabiler ist, wollen wir mal ein paar Tage hinfahren.

    • Viviane schreibt:

      Da war ich zu schnell – viele Grüße wollte ich noch mitschicken 🙂

      • Angelica Hocke schreibt:

        Hallo Viviane
        ich bin ja schonmal froh, das Ihr an der Hohen Acht am Sonntag „Schneeglück“ hattet 🙂
        Ein paar Tage im Venn lohnen bei Schnee sicher und von NAE gibt es ja genug Wege, die man dort laufen kann.
        Sende liebe Grüße zurück
        Angelica

  9. Pingback: Bonner Linktipps am Mittwoch | Bundesstadt.com

  10. Suze schreibt:

    Eine tolle Tour, die ich gleich auf meine Lsiste gesetzt habe! 🙂

  11. Ingrid schreibt:

    Was sind das herrliche Schneebilder. Am Samstag hat es bei uns auf 550 Meter Höhe auch geschneit, am Sonntag war aber wieder Tauwetter (und seitdem regnet es und regnet und regnet).
    LG
    Ingrid

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