Auf dem Collis-Klettersteig in Zell an der Mosel

Noch vor wenigen Jahren litt ich unter Höhenangst. So ganz weg ist die zwar noch nicht, doch im Laufe der Zeit hab ich mich immer wieder an knifflige Situationen, wie seilgesicherte Felspfade, wackelige Hängebrücken oder auch Stahlleitern herangetraut. Auch Trittbügel oder Stahlstifte findet man an einigen Abschnitten an Rhein & Mosel.

Als ich dann von dem Collis Steil- und Kletterpfad las, wollte ich das gerne ausprobieren, zumal es die Möglichkeit gibt, die kniffligen Stellen notfalls auch umgehen zu können.

Frühling in Zell an der MoselNachdem ich am Vormittag auf dem Moselsteig Seitensprung in St. Aldegund unterwegs war und mich mittags entsprechend gestärkt hatte, fuhr ich von dort ins 10km südlich gelegene Zell.

Am Moselufer fand ich einen Parkplatz und machte mich in Richtung Innenstadt auf. Vorbei an blühenden Kirschbäumen, die herrlich dufteten. Während ich knipse, stecke ich einfach die Nase in die Blüten, um einmal tief einzuatmen.

Ich durchstreife die Fußgängerzone undDas Seitental mit dem eckigen Turm folge dann den rosaroten Markierungen des Collis-Rundwanderweges, wo auch die 15. Etappe des Moselsteigs beginnt.

Dieser bringt mich durch das Seitental am eckigen Turm vorbei. Ich wunder mich schon über ein seltsames Geräusch und kann es nicht ganz deuten. Ein Mann, der links auf einer Dachterrasse steht klärt mich auf: Dort oben nisten Nilgänse und machen wohl nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht solchen Lärm. Da ist an erholsamen Schlaf wohl nicht zu denken.

Pfad hinaufNun trennt sich der Collis-Wandweg und ich folge dem Moselsteig, der auf einem Schild vor dem Abschnitt des Collis-Steilpfades warnt. Vorbei an alten Trockenmauern, auf denen drei Zitronenfalter umhertanzen, geht es in einigen Kehren hinauf.

Dann folgt ein weiteres Schild, welches darauf hinweist, dass links der Klettersteig abzweigt und rechts der Steilpfad mit seiner Moselsteig-Markierung.

Von hier unten hat man den kompletten Überblick über diese riesige Felswand, die mit Trittstufen, Haken, Seilen und ganz oben einer Leiter gespickt ist.

Der erste Abschnitt

Also gut, dann geh ich das Mal an.Die ersten Stufen

Die ersten 6 Trittstufen sind ja noch ganz ok, dann kommt ein Versatz nach rechts und hier ist auch die Seilsicherung, die eigentlich für ein Klettersteigset vorgesehen ist.

Weitere 5 Stufen folgen und ich kann mich an dem Seil relativ gut festhalten. Nun folgt eine überstehende Felsstufe mit einem Stift.

Ein Stück weiter oben dann wieder ein Bügel, welcher mir grade so hilft, mich hinauf zu ziehen.

Blick hinabDann gelange ich an die kniffligste Stelle, denn der Stahlstift liegt weit nach rechts. Also streck ich mich und schaffe es irgendwie hinauf.

Puh… erst mal durchatmen. Das erste Stück wäre also geschafft. Hier gibt es eine lange Felskante und ich kann mich an dem Stahlseil festhalten. Ich nehme vorsichtig die Kamera aus der Gürteltasche, um ein Foto von hier oben runter zu machen.

Nun geht es an 6 oder 7 Stahlstiften, diees geht weiter hinauf aus dem Fels ragen weiter. Auch hier hilft mir das Seil.

Dann folgen wieder einige Trittstufen und doch muss ich zwischendurch auf den Fels treten, kann mich aber immer irgendwo festhalten.

5 weitere Trittstufen folgen, die schnurgrade heraufführen.

weiter gehtsDer Versatz nach rechts ist wieder knifflig. Noch ein oder zwei Stahlstifte, dann habe ich die Leiter mit ihren 12 Stufen erreicht.

Ich schaue nicht nach unten, sondern halte mich mit beiden Händen fest und klettere hinauf. Geschafft!

Hier oben hat man einen tollen Blick in das Seitental und auf die Altstadt von Zell, den runden Turm am Friedhof, den eckigen Turm und auf Kaimt auf der anderen Moselseite.
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Blick auf Zell

Der Pfad trifft wieder auf den MoselsteigDer zweite Kletterfelsen und führt mich nach rechts, bis ich auf den zweiten Kletterfelsen treffe, der erheblich kleiner ist.

Rechts dahinter sieht man auch den Umgehungspfad. Dieser Felsen ist wieder mit Trittstufen und Stahlstiften gesichert, ein Seil gibt es nur im oberen Bereich.
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Auf dem MoselsteigNachdem dies geschafft ist, geht es auf einem Pfad mit der Markierung des Moselsteig weiter.

Dann entdecke ich, dass nach links ein Pfad abzweigt. Auch hier gibt es Stahlstifte und Trittbügel.

Den Einstieg etwas unterhalb hab ich wohl verpasst, belasse es aber dabei und habe bald auch den Collis-Turm mit der Aussichtsplattform erreicht.

IMG_2208

Hier ist – trotz des schönen Wetters – keinLiebesschlösser am Gitter Mensch weit und breit, also hab ich den sonnigen Platz für mich allein.

An den Gittern sind zahlreiche Liebesschlösser zu finden und im Sommer ist hier sicher einiges los.

Heute weht eine rote Fahne, aber ich habe gelesen, wenn die blaue Moselfahne an den Saisonwochenenden hier weht, gibt es sowohl Wein als auch moseltypische Häppchen.

Ich folge dem MoselsteigBis hier hoch hab ich etwas über eine halbe Stunde gebraucht, also folge ich dem Moselsteig weiter bis nach Merl.

Über einen Höhenweg geht es die nächsten 2km mit schönen Moselpanoramen über einen sonnigen Weg in nördliche Richtung. Lärchen, auch mal Tannen und Buchen säumen den Weg durch die Weinberge. An einer Stelle kann ich die Löhnshöhe ausmachen, auf die ich gleich noch treffen werde.

Moselpanorama

Die Sonne begleitet mich weiterhin und baldEin Sonnenplatz habe ich die Rasthütte mit ihren zahlreichen Bänken erreicht.

Eine Bank steht etwas unterhalb und hier mache ich eine Pause.

Auf der Mosel ist nicht viel Verkehr, lediglich ein Frachter zieht unten an mir vorbei. Herrliche Ruhe, nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören.

Es geht weiter hinabFünfzehn Minuten später mache ich mich wieder auf und folge weiterhin dem Collis-Wanderweg, der auch hier parallel mit dem Moselsteig verläuft. In mehreren Kehren, die mir immer wieder Moselblicke erlauben, geht es hinab ins Mühlental. Der Moselsteig zweigt hier ab, doch ich folge der Straße weiter.

Vorbei an St. Michael, einem ehemaligen Minoritenkloster, erreiche ich bald das Moselufer.

Am Moselufer geht es Richtung ZellHier treffe ich dann vereinzelt auf Spaziergänger und Radfahrer, die den sonnigen Tag nutzen. Jede Menge Schwäne gibt es hier, die gierig das frische Gras verzehren.

Die Anzeichen des Frühlings sind hier nicht zu übersehen. Forsythienbüsche, gelbe Weidenkätzchen und ein Meer von Gänseblümchen sorgen für bunte Bilder. Gut, das ich so klein bin, da brauch ich mich für solche Bilder nicht so tief bücken 😉

Gänseblümchen

Spaghetti-EisIn Zell angekommen, gibt es dann die zweite Portion Spaghetti an diesem Tag.

Dieses Mal steure ich eine Eisdiele an und lasse mir die Eiscreme schmecken.

Und so endet ein herrlicher Tag an der Mosel.
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Mein Fazit:

Wer mal am Moselsteig schnuppern will, bekommt auch hier eine gute Chance.

Umgehen ist möglich Der Klettersteig ist nicht ganz ohne. Ich fand ihn jedenfalls schwerer als z.B. den Rabenacksteig am Rhein.

Schön ist, dass man alle Stellen umgehen kann. Also können auch Gruppen diese Tour gemeinsam machen und jeder kann selber entscheiden, ob er sich traut oder nicht.

Der Höhenweg bietet Moselblicke pur und selbst der Rückweg am Ufer entlang sorgte für Abwechslung.

MoselaussichtenDer Rundweg kommt auf insgesamt 6,7 km mit ca. 230 hm und ist, ohne Pausen in 2 bis 2,5 Stunden zu schaffen. (hier mein GPS-Track).

Den benötigt man allerdings nicht, sondern hält sich einfach an die Markierung des Moselsteig in Richtung Bullay und später an die rosafarbenen Schilder des Collis-Rundwanderwegs zurück nach Zell.

Verbunden mit dem Felsen.Fässer.Fachwerk am Vormittag kamen so 16,5 km mit 650 hm zusammen, die sich gemütlich an einem Frühlingstag machen lassen und für vielerlei Möglichkeiten zur Einkehr sorgt.

Wer es sportlicher mag, könnte auch den Calmont-Rundweg dranhängen. Von Zell aus liegt dieser ca. 15km entfernt.

Hier einige informative Links zum Collis-Steilpfad:

Meine bisherigen Wanderungen an Mosel und Rhein, die ebenfalls Kraxel- und kleine Klettersteige bieten:

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Über Angelica Hocke

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25 Antworten zu Auf dem Collis-Klettersteig in Zell an der Mosel

  1. Pingback: Moselsteig Seitensprung: Felsen.Fässer.Fachwerk | WandernBonn.de

  2. bergkraxler7 schreibt:

    der Steig ist jetzt auf meiner Liste :-D. Ich empfehle dir neben Schneeschuhen ein Klettersteig Set zuzulegen :-). für die nächsten Klettersteige in den Alpen. Du wirst noch zur Bergsteigerin lg Bernd

    • Angelica Hocke schreibt:

      Ja, das könnte sich lohnen. Einen Klettergurt besitze ich ja schon und war auch schon ein paar Mal in der Halle klettern. Aber so richtig ist das nix für mich in der Halle… Draußen macht es mir jedenfalls deutlich mehr Spaß 🙂
      Liebe Grüße Angelica

  3. Nik Löwe schreibt:

    Schöne Tour mit noch schöneren Bildern! Übrigens, tolles blaues Armband…:-)

  4. Gitti schreibt:

    Heftig, den Steig würde ich wegen meiner Höhenangst nicht schaffen. Mal sehen…muss noch bissel in den Bergen üben.

    Liebe Grüße Gitti

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Gitti
      an den hätte ich mich vor 3 Jahren auch nicht herangetraut. Bin das auch peu á peu angegangen und habe mit einfachen Sachen angefangen wie z.B. den Oelsbergsteig.
      Ich hab mich nie unter Druck gesetzt und aufgehört, sobald es sich komisch angefühlt hat. Nicht jeder Tag ist gleich. An manchen hat man mehr, an anderen weniger Mumm. Mir fällt es alleine leichter als in einer Gruppe, aber das muss jeder selber für sich rausbekommen. Ich drück Dir die Daumen 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Angelica

  5. Alex schreibt:

    Hi Angelica,

    aber hallo, heute hast Du ein Bild für mich 😉
    Klettersteig und Stadtbefestigung (das zählt auch zu 99% als Burg) an der Mosel. Eine ordentliche Tour – toll!

    Ich glaube, dass kann allerhöchstens ein Klettersteig in Südtirol toppen, bei dem man Blick auf eine Burg hat. Aber sicher bin ich mir da nicht 😉

    LG
    Alex

  6. Rainer schreibt:

    Hallo Angelica,

    wunderschöne Wanderung und schöne Klettereinlage.
    Ich denke jetzt fehlt Dir nur noch der Mittelrhein-Klettersteig bei Boppard, dann kann Dich in unserer Region nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen.

    Allerdings dürfte der Einstieg am Mittelrhein-Klettersteig für Personen mit Höhenangst einen echte Überwindung sein.

    Bilder dazu gibt es auf http://www.klettersteig.de/klettersteig/mittelrhein_klettersteig_boppard/1452.

    Gruß
    Rainer

  7. Norbert Daniel schreibt:

    Hallo Angelica,
    ja, den Collis-Turm habe ich am gestrigen Sonntag auch gesehen – aber von der anderen Moselseite aus (Kaimt) auf dem Weg Zell – Marienburg – Reil. Auf dem Turm selbst war ich
    im April 2011, allerdings habe ich vor dem Klettersteig gekniffen. Deine Bilder von Leitern
    im Weinberg haben aber den Ehrgeiz neu geweckt. Etappe 15 Moselsteig fehlt mir noch,
    wünsch mir mal viel Glück und den nötigen Mumm an der entscheidenden Weggabelung.

    Liebe Grüße von Koblenz nach Bonn

    Nobby

  8. Jens | Hiking Blog schreibt:

    Hallo Angelica, finde ich klasse, dass du dich das mit deiner Höhenangst getraut hast! Respekt! Hast du ein Klettersteigset benutzt oder kann man den auch gut ohne machen?

    • Angelica Hocke schreibt:

      Dank Dir. Ich war ohne unterwegs, war aber schon relativ tricky (was natürlich auch daran liegt, das ich grad mal 1,61m bin und nicht überall so gut dran komme)
      Von den bisherigen an Rhein & Mosel fand ich den am schwersten.
      Du könntest den sicher auch ohne machen. Kinder würde ich da jedenfalls nicht ohne ein Klettersteigset rauflassen.

  9. Viviane schreibt:

    Hallo Angelica,
    ich muss zugeben, dass ich dieses Wochenende (der Montag gehörte diesmal dazu) zu 100% bei Dir „abgeguckt“ habe. Deine Beschreibungen von der Mosel haben mich so begeistert, dass ich wusste, das müssen wir am Geburtstag meines Liebsten machen. Und die Mosel ist ja immer wettertechnisch begünstigt, die Weinberge immer etwas wärmer. Sogar gestern waren Sonnenrastpausen möglich. Wir sind sooooo begeistert, es war absolut klasse. Dein Tipp mit der Reihenfolge der beiden Touren war auch prima; hier sind wir dann am Schluss allerdings ab dem „Wendepunkt“ durch die Weinberge gelaufen, weil das Ufer schon verschattet war. Das 2. Kletterstück haben wir nicht geschafft – wofür waren die Haken? – für die Füße oder die Hände? Bei dem 1. ist mir schon ganz heiß geworden, auch ich bin etwas klein, aber war nachher mächtig stolz. und die Aussicht oben – traumhaft.
    Also vielen Dank für Deine tollen Tipps.
    Viele liebe Grüße, Viviane

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Viviane
      wenn Ihr beide einen so tollen Tag hattet, freut es mich so richtig, das Du meinem Vorschlag umgesetzt hast. Dafür ist so ein Blog ja da 😉
      Die Haken sind sowohl für Füße als auch Hände. Sonst käme man bei dem Zweiten ja auch kaum hoch bzw. rüber.
      Schau mal bei diesem Bild hier: http://www.komm-mit-wandern.de/mosel.html (weiter unten ist der Collis-Steig und das dritte Bild „Felswand-Durchstieg“) Da kann man das ganz gut erkennen.
      Schicke ganz liebe Grüße
      Angelica

  10. Pingback: Der Mittelrhein-Klettersteig in Boppard | WandernBonn.de

  11. Anja schreibt:

    Hey Angelica,
    Sooo schön der Wanderweg! Ich liebe es wenn es auf dieser Höhe schon Stahlstifte und Leitern gibt! Und dann noch dieser der Blick runter nach Zell!! Hammer Fotos! Danke und weiter so!
    Anja

  12. Patrick schreibt:

    Hi!!

    Morgen gehts für uns auch zum Collis Klettersteig!! Freuen uns schon…

Ich freue mich über Dein Feedback, Tipps oder Anregungen

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