Tierische Begegnungen auf dem 2 Bäche-Pfad bei Hasborn

Letzte Woche war ich für einige Tage in der Vulkaneifel unterwegs und Freitagmittag mit allem fertig. Also hatte ich noch genügend Zeit für eine Wanderung. Die passende Tour suchte ich mir aus der RLP Touren-App raus, die mir – nach Entfernung sortiert – u.a. eine mir sogar noch unbekannte Tour anzeigte:

2 Bäche-PfadDer 2 Bäche-Pfad, der zu den Vulkaneifel-Pfaden gehört liegt zwischen Manderscheid und Bad Bertrich. Östlich von Hasborn führt der Rundweg über die Höhen und durch Täler, als auch an einigen Bächen entlang.

14 km und 467 hm waren genau das richtige für den Nachmittag.

Der Wanderparkplatz liegt direkt neben dem Maare-Mosel-Radweg, der auf einer Strecke von 55 km von Daun bis Bernkastel-Kues führt.

Die ersten Weiden

Hier war auch einiges los bei dem Wetter, für mich ging es allerdings deutlich ruhiger weiter. Vorbei an dem alten Bahnhofsgebäude, an dessen Kopfseite noch ein altes Schild prangt, führt der Weg ein Stück in den Wald.

Doch nur kurz und dann erreiche ich die ersten Feldwege. Auf einer Wiese stehen Kühe und rundherum grüne Weideflächen.

urige Pfade führen hinabEin Pfad führt mich wieder in den Wald und durch eine herrlich naturbelassene und fast zugewachsene Passage, die automatisch das Tempo drosselt.

Die Wurzeln, Farne und Gräser geben dem schmalen Pfad einen wilden und urigen Charakter.

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Wilder Abschnitt

Unten angekommen führt ein Forstweg bisForstweg zur Straße zur nächsten Straße.

Ein kurzes Stück daran entlang und schon geht es steil hinauf.

Es scheint, als wären Teile dieses Pfades extra angelegt worden, um zu vermeiden, dass die Wanderer einen längeren Abschnitt an der Straße entlang müssen. Sei es drum, schön war er allemal.

Geschäftige AmeisenDer Pfad führte dann auch wieder runter und es geht durch das Sammetbachtal. Doch noch andere sind hier unterwegs.

Nein, keine Wanderer:
Eine Ameisenstraße führt genau über den Schotterweg und die fleißigen Krabbeltiere flitzen geschäftig hin- und her.

An den Tannen entdecke ich sogar noch einen blühenden Fingerhut. Neben den hauchzarten Gräsern der Draht-Schmiele sticht das bunte Pink so wunderschön heraus. Ein Stück weiter erstrahlt die Besenheide und setzt weitere Farbakzente. Ein Fest für die Augen!

Satt sehen...

Bald gelange ich an eine Holzbrücke, michDer Balkonweg über den Sammetbach bringt. Bevor ich die Brücke erreiche, flüchtet ein Graureiher vor mir.

Es geht hinauf und nach einer schattigen Bank gelange ich nach weiteren Kehren auf einen Balkonweg. Nach dem kühlen Wald schlägt mir hier eine ordentliche Dosis Hitze entgegen.

Gesäumt von Gräsern und Heidekraut führt der Weg mit einem tollen Blick in das Tal am Hang entlang. Etwas oberhalb und über einen kurzen Pfad erreiche ich die Liegebank. Was für ein herrlicher Aussichtsplatz.

Vulkaneifel zum satt sehen

Ein BankbesenNoch ein Stück durch den Wald geht es dann an frisch abgemähten Feldern abermals durch die Sonne. Schon wieder ein Rastplatz.

Doch unter dem Tisch ist ein Besen befestigt. Für die Schuhe? Ich nehme ihn ab und auf der Rückseite findet sich die Erklärung: ein Bankbesen. Das ist doch mal praktisch 😉

Weiter geht es durch den Wald und in einerOutdoor-Kneipe Senke unterhalb eines Windbruchhangs entdecke ich ein Schild: „Kalte Getränke“.

Hier hat jemand den kühlen Bach für eine „Kühlschrank-Konstruktion“ genutzt und stellt den Wanderern neben Wasser, Schorle, Bier und Radler die Getränke gegen einen Obolus zur Verfügung. Die Kasse ist wettergeschützt an einem Baumstamm befestigt.

Da ich sowieso Durst habe und das gerne unterstützen möchte, werfe ich den Euro für die Schorle dort hinein und öffne die Flasche mit dem bereitliegenden Öffner.

Kalte Getränke gefällig?

Plötzlich eine Stimme: „Nicht erschrecken“ Ich drehe mich um und erblicke einen älteren Mann der in der linken Hand eine kleine Sense hält.

Er schaut nach dem Rechten, denn grade mal 10 Minuten vor mir hat sich wohl jemand an der Kasse zu schaffen gemacht. Vom Hang aus hat er den Täter beobachtet und ist ihm trotz seiner über 80 Jahre hinterher gelaufen. Leider ohne Erfolg. Wir unterhalten uns noch ein wenig und ich kann echt nicht verstehen, wie sich jemand an etwas bereichern will, was andere mit soviel Liebe und Herzblut geschaffen haben und für die Wanderer bereitstellen.

Kirche in OberscheidweilerVon hier führt der Weg an Wiesen entlang nach Oberscheidweiler und im Ort an der Kirche vorbei.

Später folgen Feldwege, erst aus Asphalt, dann Schotter und letztlich über Wiesenwege, die weite Eifelblicke ermöglichen.
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Weite Sicht über die Vulkaneifel

AbwechslungsreichWege verschiedenster Art führen mich mal in eine Auenlandschaft, dann wieder als Pfad durch den Wald hinauf und mit Holzgeländern gesichert hinab.

Nachdem ich eine Straße gequert habe geht es die nächsten 3 Kilometer an der Alf entlang.

Diese mäandert sich durch das weite Tal und es geht auf einem breiten Schotterweg mal näher und dann weiter entfernt daran entlang.

Alfbachtal

So wirklich viel von dem Bach kann ichVogelfeder kaum sehen, da alles zugewachsen ist.

Dafür habe ich das murmeln und plätschern im Ohr und entdecke später eine Feder auf dem Weg.

Vermutlich von einem Buntspecht?

Ein Stück geht es an der Straße entlang und dann über einen kleinen, fast alpinen Pfad oberhalb weiter. Mittlerweile ist es 17 Uhr und die Sonne taucht alles in ein wunderschönes Nachmittagslicht.

Pfad oberhalb der Straße

Ein Wiesenpfad führt mich weiter hinauf und auf einem Asphaltabschnitt sehe ich eine etwas seltsam anmutende Raupe.

Ein WeinschwärmerEin dunkles graubraun mit auffälligen „Augen“ die wohl Gegner abschrecken sollen. Die Raupe scheint sich mit ihrem seltsam geformten Maul, das an einen Rüssel erinnert, zu orientieren und tastet die Umgebung damit ab.

Sie bewegt sich auf bizarre Art und Weise vorwärts. Eigentlich hätte ich ein Video davon machen müssen, hab nur leider in dem Moment daran nicht gedacht.

Es handelt sich wohl um einen kleinen oderBlick zurück mittleren Weinschwärmer. Weiß jemand es genauer?

Nun geht es durch Niederscheidweiler und an bunt blühenden Vorgärten vorbei.

Am Ortsausgang stehen Kühe und ein sehr neugieriges Exemplar reckt so schön ihr weiches Maul in die Kamera, das ich nicht umhin komme, dieses abzulichten.

Kuh-Kuss

Brücke über den SammetbachVon hier aus geht es dann auch wieder in den Wald und über schöne Wege und Pfade an Schiefergestein vorbei.

Hier führt der Mosel-Our-Weg im stetigen Wechsel von Tannen und Laubwälder zu einer zweiten Holzbrücke hinab.

Jetzt ist es nicht mehr weit und nach insgesamt 4 Stunden erreiche ich wieder den Parkplatz.

Mein Fazit:

Was den Weg auszeichnet ist die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit, die ich dort hatte. Nicht ein Wanderer ist mir an diesem Freitagnachmittag dort begegnet.

Es gibt ausgesprochen viele Bänke und Viele RastplätzeRastplätze. Ein paar davon habe ich in meinem GPS-Track mal eingezeichnet.

Mit mehr als 3km fand ich den Abschnitt am Alfbach entlang eher dröge. Wer zu Zweit oder gar mit mehreren unterwegs ist kann auf der Passage allerdings herrlich plaudern und ist so abgelenkt 😉

Mein Highlight war der Balkonweg mit der Liegebank und die schmalen Pfade die zwischendurch für Abwechslung sorgen.

Überhaupt ist der Weg mit viel Liebe angelegt worden und bietet neben schönen Vulkaneifelblicken auch schattige Passagen durch Bachtäler und weite Auenlandschaften. Das auf- und ab ist ausgewogen und nicht wirklich anstrengend.

Ganz besonders schön finde ich die Idee mit dem Natur-Kühlschrank und solche Details wie der Bankbesen.

Wanderkarten an den Wegweisern

An jedem Wegweiser ist eine kleine Wanderkarte befestigt, die den jeweiligen Standort und den Wegeverlauf zeigt.

Als Wanderkarten-Fan gefällt mir so was ganz besonders gut, denn obwohl die Strecke perfekt beschildert ist, kann der Wanderer sich hier einen schnellen Überblick verschaffen.

Von Bonn aus wäre die Anfahrt mit gut 100 km für eine Tagestour etwas weit, wer aber ein paar Tage in der Region ist, sollte diesen Weg einmal im Auge behalten.

Hier mein GPS-Track mit weiteren Fotos.

Weitere Berichte von Wanderungen die ich in der Verbandsgemeinde Manderscheid gemacht habe :

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Über Angelica Hocke

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10 Antworten zu Tierische Begegnungen auf dem 2 Bäche-Pfad bei Hasborn

  1. Inga schreibt:

    Toll, die Bilder strahlen auch die absolute Ruhe und Einsamkeit aus! Genau das richtige um mal vom Alltag abzuschalten. Wenn man sich dann auch noch an den kleinen, aber feinen Schätzen der Natur erfreuen kann, umso besser! Das sind für mich dann auch immer die Highlights, auch wenn es „nur“ eine Raupe oder eine seltene Pflanze ist. Wir haben den Freitag auch zum Wandern genutzt und waren wegen eines kurzen Zeitfensters auf dem ziemlich kurzen, aber auch sehr idyllischen „Badewaldweg“ (77 Eifelverein) bei Nideggen unterwegs. Dort war auch niemand on Tour und man konnte mal absolute Ruhe genießen, noch nicht mal Straßengeräusche waren zu hören, was für uns immer absoluter Luxus ist 🙂

  2. Viviane schreibt:

    Hallo Angelica,
    da konntest Du ja den Freitagnachmittag perfekt nutzen – wie schön!
    Sieht nach einer tollen Tour aus – ich bin immer traurig, dass die Vulkaneifel so weit zu fahren ist.
    Vielleicht sollte ich mir doch ein Smartphone kaufen, die Touren-App scheint ja richtig praktisch zu sein…
    Schönen Restsonntag und viele Grüße, Viviane

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Viviane
      deswegen musste ich die Chance auch nutzen, wenn ich schon vor Ort bin.
      Das ist ja nicht das erste Mal, das ich die App auf diese Art & Weise nutzen konnte. Siehe hier: https://wandernbonn.de/2011/10/18/warum-die-traumpfade-so-praktisch-sind/
      Ich kenn zwar schon ne Menge Wege und hab immer was in Petto, aber so geht es echt ratz-fatz. Vor allem sind die meisten Wege aus der App komplett beschildert, da brauch ich vorab nicht einmal einen Track runterladen.
      Euch wünsche ich auch noch einen entspannten Sonntag
      Angelica

      • Viviane schreibt:

        Hallo Angelica,
        hört sich ziemlich gut und sinnvoll an. Denn das in Petto muss man ja auch dabei haben… Danke für den Tipp.
        Liebe Grüße, Viviane

  3. Sonja Berndl schreibt:

    Hallo Angelika,

    danke, dass du das Rätsel mit der Raupe gelöst hast. Jetzt weiß ich endlich, was das für ein Tier wir, wenn es fertig ist.

    Ich habe diese riesige Raupe mal am Indischen Springkraut gesehen. Mit den beiden „Augen“ sah sie im ersten Moment erschreckend aus, was wohl auch der Sinn ist. Im zweiten Moment fand ich sie nur mehr interessant. Ich dachte mir: Ein riesiges Springkraut braucht eine riesige Raupe als Gegenspieler.

    Liebe Grüße
    Sonja

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Sonja
      Die fiel mir einfach sofort ins Auge, aufgrund der besonderen „Zeichnung“ und der seltsamen Art sich fortzubewegen. Ist schon interessant, welche Mittel die Tierwelt so als Tarnung oder zur Abschreckung einsetzt.
      Viele Grüße Angelica

  4. Liebe Angelica,
    endlich sehe ich mal Sommerbilder von der Tour! War im März (also im Winter 🙂 da und habe es gebloggt http://www.wanderreporter.de/2013/03/22/uberraschungen-auf-dem-2-bache-pfad-in-der-vulkaneifel/ . Wie ich damals schon schrieb, dachte ich mir, dass die Tour ims Sommer auch schön sein muss. Vorteil des Winters war vielleicht die geringe Vegetation, sodass wir richtig viele Blicke auf die Bäche hatten, aber natürlich hat weder Fingerhut noch Besenheide geblüht. Rauben, Kühe und sonstiges Getier haben wir auch nicht gesehen 🙂 So hat jede Jahreszeit seine Reize.
    Das jemand in die Kasse greift, finde ich übrigens der Hammer. Vielleicht ist die Kasse zu nah am Ort. Wenn es mitten im Wald wäre, wäre es evtl. besser….
    Liebe Grüße und danke für die Erwähnung der Touren-App :-)))
    Karin

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Karin
      Laut dem Mann, der wohl der Vater eines der Natur-Kühlschrank Betreibers ist, ist es wohl öfter passiert, das sich jemand dort zu schaffen gemacht hat, allerdings nie Wanderer.
      Was die Jahreszeiten betrifft stimme ich Dir natürlich zu, wobei ich diese Tour auch trotz weniger Bachblicke ganz stimmig fand.
      Danke für den Kommentar und viele Grüße
      Angelica

  5. Pingback: Hinter den Kulissen: „Fahr mal hin“ vom SWR auf dem Eifelsteig | WandernBonn.de

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