Testbericht Haglöfs Vertigo Q GT – Approachschuh

Normalerweise bin ich bei meinen Touren mit leichten Wanderstiefeln unterwegs. Diesen Herbst hatte ich die Möglichkeit, das erste Mal einen Approachschuh zu testen. Zunächst möchte ich kurz erklären, was überhaupt ein Approachschuh ist. Denn anders als Haglöfs Vertigo GTgewöhnliche Wanderschuhe oder -stiefel ist der Approachschuh eigentlich ein Zustiegsschuh und kommt aus dem Kletterbereich.

Diese sind für unwegsames Gelände im Klettergebiet konstruiert und kommen auch mit Felsen oder Wurzeln klar. Da Kletterer diesen Schuh später in den Rucksack packen, sind die meisten Approachschuhe kompakt und leicht. Wahre Multitalente.

Die schwedische Firma Haglöfs ordnet den Vertigo GT als Modell für Wanderungen, Klettersteige und leichte Klettertouren ein. So soll die EVA-Zwischensohle für geringes Gewicht und guten Bodenkontakt sorgen. die Sohle des VertigoDas sternförmige Rist-Design für gute Flexibilität. Für die optimale Trittsicherheit wiederum wurde eine weiche Gummimischung gewählt.

Neben der Gore-Tex ® Extended Comfort Membran, welche für mittlere bis höhere Temperaturen geeignet ist, sorgt ein wasserresistentes Nubukleder für trockene Füße. Das GT steht übrigens für die Gore-Tex Membran und das Q in der Modellbezeichnung zeigt lediglich an, das es sich um das Frauenmodell handelt. Genug der Theorie, hier meine Eindrücke der letzten Wochen:

Der erste Eindruck

buntAls ich den Karton geöffnet habe, ist mir als Erstes das lilafarbene Nubukleder aufgefallen. Die Farbe nennt sich Deep Purple und ist einfach klasse. Frauen halt 😉

Beim herausheben bemerkte ich sofort das  geringe Gewicht. So wiegt ein Schuh lediglich 400gr. Der sportliche Eindruck wird durch die  Gummiverstärkung im Zehen- und Fersenbereich als auch den weißen Keil im Absatz verstärkt.

Die anpassungsfähige Innensohle

Der Vertigo GT hat ein „Sole“ Prinzip, d.h. die Sohle wird individuell an den Fuß angepasst. Dies kann auf zwei Arten erfolgen:

1. Die Sohle wird aus dem Schuh herausgenommen, für 2 Minuten bei 90°C im Backofen angewärmt und dann in den Schuh gelegt.die Innensohle Danach steigt man vorsichtig in den komplett geöffneten Schuh und verharrt dort für 2 Minuten, damit die Sohle sich den Füßen individuell anpassen kann. Diese Prozedur kann bis zu 5x wiederholt werden. Bei mir hat das beim ersten Versuch prima geklappt, auch wenn das stillstehen schwierig war 😉

2. Wer die Methode mit dem Backofen scheut kann, die Sohlen auch so „einlaufen“ und das sogar in anderen Schuhen. Nach ein paar Tagen haben sich die Sohlen dem Fuß angepasst.

Die Innensohle ist darüber hinaus mit einer Polygene-Behandlung ausgestattet, die eine  Geruchsbildung verhindert.

Die ersten Tage

Ein wenig ungewohnt war für mich, das der Schuh bis so weit vorne in den Zehenbereich geschnürt werden kann. Aber so konnte ich den Schuh sehr individuell anpassen. Die Sohle ist deutlich steifer als ich das von meinen bisherigen Wanderschuhen gewohnt bin. die Fersen mit Gummi geschützt

Das Tragegefühl ist weniger ein  „reinschlüpfen und wohlfühlen“ sondern eher ein „passt und sitzt“. Die Ferse sitzt fest und der Seitenbereich wird gut und stabil gestützt. Der Schuh rollt im ersten Moment allerdings nicht so ab, wie ich das gewohnt bin, auch wenn er sicheren Halt bietet.

Mit so einem neuen paar Schuhe mache ich nicht unbedingt direkt eine Wanderung, also wurde der „Casual Friday“ im Büro für die ersten „Gehversuche“ genutzt. Das „Indoor“ nicht sein wirkliches Revier ist, merkte ich allerdings daran, das durch die Gore-Tex Membran meine Füße leicht ins schwitzen gerieten und leicht angeschwollen sind. Liegt vielleicht auch daran, dass ich (bis auf meine Laufschuhe) immer nur in Voll-Lederschuhen unterwegs bin. Später in der Stadt war das Problem dann auch nicht mehr so gravierend.

Im Einsatz

Natürlich habe ich den Schuh nicht nur in der Stadt sondern auch bei einigen Touren testen können. Im Ahrtal konnte ich mich davon überzeugen, das die Sohle über genügend Grip verfügt, um auch auf feuchten Holzbrücken und verwurzelten Pfaden guten Halt zu geben.

Haglöfs Vertigo GT im Einsatz

Auch wenn ich Anfangs ein wenig Bedenken hatte, da ein Approachschuh ja nicht knöchelhoch ist und so die Sprunggelenke vor dem umknicken schützt, gab mir der gute Seitenhalt und die Griffigkeit des Profils ein sicheres Gefühl. Außerdem wird dieser Muskelbereich dann wieder mehr trainiert, was auch vor umknicken schützen kann.

Eigentlich ist das Gore-Tex ® ExtendedGore-Tex Comfort Membrane für mittlere bis höhere Temperaturen oder starker Körperlicher Aktivität konzipiert.

Wenn ich bei kühlen Temperaturen um die 3 bis 4°C unterwegs war, waren die Schuhe noch angenehm zu tragen und ich bekam beim laufen keine kalten Füße darin. Allerdings habe ich immer Funktionssocken darin getragen, um einem evtl. schwitzen vorzubeugen. Nicht unbedingt was für einen Bummel über den Weihnachtsmarkt, aber solange man in Bewegung ist, war das kein Problem.

Der Haglöfs Vertigo Q GTAuf Asphalt oder Schotter kommt die EVA-Zwischensohle mit FlexFrame Mid Einlage ins Spiel, welche gut dämpft und solche Abschnitte leichten Schrittes zu bewältigen sind. So kann harter Untergrund ermüdungsfrei bewältigt werden. Auch auf abschüssigen und nassen Wiesenwegen gab das Profil genügend Halt und sogar matschige Stellen gaben keinen Anlass, ins Rutschen zu geraten.

Die Wasserdichtigkeit konnte ich bei Regen, auf nassen Wiesenwegen, Matsch und einigen Pfützen testen (ich hab es für den Test natürlich drauf ankommen lassen) Ergebnis: ich hatte meinen Spaß und die Füße waren trocken :mrgreen:

Sicher kann man sich die Frage stellen: wasserdichtwas soll ich mit bei einem Halbschuh mit einer wasserdichten Membran?

Aber jetzt mal ehrlich: wer stellt sich schon freiwillig knöcheltief ins Wasser? Gegen Regen schützt dann doch die Hose und die meisten Bäche hier im Mittelgebirge sind mit Brücken gesichert.

Der Matsch ist also durchquert und die Schuhe sehen entsprechend aus. Das Reinigen wiederum ist unkompliziert: einfach mit lauwarmen Wasser und Schwamm oder einer weicher Bürste säubern und dann in Ruhe bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Selbst den weißen Keil im Absatz hab ich so wieder sauber bekommen. Allerdings sollte man nicht zu viel Druck auf das Rauleder ausüben, sonst kann es speckig werden. Wer das nicht mag, kann sich eine spezielle Anraubürste besorgen, die das Nubukleder wieder aufrichtet und zur abschließenden Pflege ein Spray auftragen.

Mein Fazit

Der Haglöfs Vertigo Q GT ist ein leichter, kompakter und griffiger „Leichtwanderschuh“ Haglöfs Vertigo Q GTder guten Halt gibt und sich im Mittelgebirgsterrain wohl fühlt. Ich persönlich bevorzuge für längere Touren zwar immer noch meine deutlich gemütlichen Volllederstiefel, greife aber bei kurzen Touren – vor allem bei Regenwetter oder jetzt bei dem Schneematsch – gerne zu den Haglöfs, auch wenn knapp 150,00 EUR ein stolzer Preis für einen Zweitwanderschuh ist.  Wer den Winter nicht ganz so bunt mag, den Schuh gibt es statt in Lila auch in Grau 😉

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Über Angelica Hocke

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8 Antworten zu Testbericht Haglöfs Vertigo Q GT – Approachschuh

  1. Polarfuchs schreibt:

    Wasserdichte Halbschuhe würde ich als Wanderer IMMER den nichtwasserdichten vorziehen.
    Man gehe nur einmal ein paar dutzend Meter durch eine nasse Wiese …., dann lernt man GTX etc. sehr zu schätzen.
    Die meisten Wander-Halbschuhe sind ja weitestgehendst aus Nylon etc. gefertigt, da ist man in sekundenschnelle patschnass.
    Lederschuhe aus diesem Bereich (Halbschuhartige Fußbekleidung) ziehen ja mittlerweile die wenigsten an (was aber dennoch zu empfehlen wäre, da Leder ja wasserabweisender ist, man nicht so leicht Druckstellen und Stinkefüße bekommt und die i.d.R. auch haltbarer sind etc.), du bist da eine Ausnahme 😉

  2. Ha – da erkenne ich doch noch die Lundhags Traverse PRO 🙂 Super Hose!

  3. Alex schreibt:

    Hallo Angelica
    Ganz fies könnte man sagen, daß ein „Approachschuh“ nur die Neuinterpretation des Haferlschuhs, auch „Goiserer“ genannt, in Plastik ist 🙂
    Und die Dinger sind alpenländische Gehwerkzeuge pur!
    Schöner Bericht, ich tu mich immer schwer mit Halbschuhen abseits des Asphalt. Und zwar nur, weil ich regelmäßig alle 50m Steinchen in den Schuhen habe. Schepper Gang vielleicht?
    viele Grüße
    Alex

    • Angelica schreibt:

      Hallo Alex
      das Problem hatte ich nicht (Steinchen). Hatte allerdings im Testzeitraum eine lange Hose an.
      Mit der „Neuinterpretation“ magst Du sicher recht haben. Lederschuhe sind eigentlich auch schöner, keine Frage, den Kletterern nur sicher zu schwer.
      Viele Grüße Angelica

  4. Aender schreibt:

    Ha… den Bericht hatte ich wohl übersehen!;) Seit Jahren bin ich auch mit dem „Vertigo“ unterwegs. Ein klasse Schuh, welcher ich sehr oft und gerne trage. Das nächste Paar (wäre dann mein 3.) ist im Frühling fällig…

  5. chacoa schreibt:

    Schöner Bericht mit ausführlichen Praxisbezug. Gerade die knallige Farbe gefällt mir. Auch ich würde einen wasserfesten/wasserdichten Schuh bevorzugen. Alleine wenn ich bei mir auf dem Dorf über das Feld laufe, liebe ich es mit trockenen Füßen nach Hause zu kommen ;o)

    • Angelica Hocke schreibt:

      Dank Dir. Wobei Funktion sicher immer noch vor Optik geht. Wenn aber beides passt, ist es perfekt. Bin immer noch zufrieden mit den Haglöfs.
      Liebe Grüße Angelica

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