Zwei Tage auf dem Eifelsteig

Wie man kurzfristig auf den Eifelsteig kommt und warum wahre Freunde unbezahlbar sind.

Eigentlich hatte ich schon länger geplant mal 2 oder 3 Etappen des Eifelsteig´s zu erkunden. Der Eifelsteig ist 313km lang und führt unter dem Motto „Wo Fels und Wasser Dich begleiten“ über 15 Etappen von Aachen nach Trier. Ursprünglich sollte dies auch Etappe 10 und 11 werden. Aber oft kommt es anders als geplant, denn leider hat mir mein Auto einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Da bei meinem Smart eine größere Reparatur ansteht, war an ein paar Tage Urlaub mit Übernachtung nicht zu denken. Aber wie nun kurzfristig mal für 2 Tage rauskommen? Ich hatte mir die Woche wegen dem Brückentag Urlaub genommen und musste mal für ein paar Tage raus.

Mein bester Freund hatte mir bereits am Freitag zuvor seinen Zweitwagen geliehen, da ich mich mit meinem Smart nicht mehr getraut hab längere Strecken zu fahren. Reiner hatte für dieses Auto Montagmorgen einen Termin um die Winterreifen zu wechseln. So musste ich halt trotz Urlaub früh raus. Kein Problem, ich war ja froh, das ich seinen Wagen zur Verfügung hatte.

Aber wie das bei mir so ist mit der Spontanität. Da er in Euskirchen an der Steinbachtalsperre – also in der „Voreifel“ wohnt – kam mir Morgens beim Kaffee am Rechner kurzfristig die Idee doch mal 2 Tage Eifelsteig anzugehen. Ins Auge gefasst hatte ich Etappe 4  und Etappe 5, da diese nicht so weit von Euskirchen entfernt sind.

Also hab ich ihn früh morgens angerufen und gefragt, ob es möglich sei, bei ihm zu übernachten, damit ich nicht mehr nach Bonn zurück musste. Das ging klar und so hab ich flott die Tasche gepackt und mich in die Wandersachen geschmissen. Dann noch schnell die beiden Etappen von der Eifelsteig Webseite als Track auf´s Smartphone geladen und die entsprechenden PDF´s ausgedruckt.

Das wechseln der Winterreifen war flott erledigt und so hab ich mich auf den Weg nach Einruhr aufgemacht. Allein schon die Anfahrt über die B266 vor Gemünd bei Schleiden beieindruckte mich. Große Tafeln mit Schildern „Nationalpark Eifel“ wiesen auf diese unvergleichliche Naturlandschaft hin. Zwischen Morsbach und Einruhr wurde die Strecke zu einem wahren Erlebnis, welches mir jetzt noch eine Gänsehaut macht. Die Oktobersonne tat ihr übriges und das Farbenspiel der Bäume und diese einzigartige Landschaft vergrößterten die Vorfreude auf die kommende Tour.

Montag 31. Oktober 2011 – Etappe 4 von Einruhr nach Gemünd – 21,5 km

In Einruhr habe ich am Heilsteinhaus geparkt (Tagesgebühr 3,00 EUR) und mir in der dortigen Informationsstelle des Nationalparks erstmal den Leporelloplan des Eifelsteigs für 8,95 EUR besorgt. Diese Leporellopläne sind superpraktisch: sie sind nicht nur abwaschbar sondern bieten auch viele Informationen zu der Strecke, lassen sich gut händeln und sind übersichtlich. Die Dame an der Information war so freundlich mir nicht nur die passende Rückfahrt von Gemünd nach Einruhr mit dem Bus rauszusuchen, sondern auch noch den Busfahrplan auszuhändigen. Toller Service!

Nun ging es endlich los, mittlerweile war es schon 11:30 Uhr und für die Etappe waren 6 Stunden angesetzt. Seit 2 Tagen war Winterzeit, also hieß es „Gas geben“, da gegen 17:15 Uhr die Sonne untergeht… Aber noch genoß ich blauen Himmel und schönsten Sonnenschein. In Einruhr ging es zunächst kurz durch den Ort, dann folgte ein Anstieg über Wiesenwege, die später in den Wald führten.

Dann ging es hinab zum Rursee (in dem Fall dem Obersee) und bald auch durch das Tor des Nationalparks. Hier wurde auf einer großen Tafel darauf hingewiesen sich an das Wegegebot zu halten, denn dort beginnt die 33ha große Dreiborner Hochfläche, die bis 2005 als Truppenübungsplatz Vogelsang diente.

Entlag des Obersee´s faszinierten mich vor allem die Spiegelungen der gegenüberliegenden Seite auf dem klaren und stillen Wasser. Bis kurz vor der Staumauer gibt es aber kaum Möglichkeiten nah ans Ufer zu kommen um ein entsprechendes Foto zu machen, da der Weg nicht direkt am Ufer vorbeiführt sondern immer Bäume dazwischen sind.

Vor der Staumauer geht es dann auch wieder bergauf und man hat einen guten Blick auf die Staumauer. Dort sieht man allerdings, das die Urfttalsperre aufgrund des wenigen Regens extrem wenig Wasser hat. Der Wasserstand ist im Moment in etwa so hoch wie der Obersee was deutlich zu wenig ist.

Der Weg führt weiter hoch und auf einmal ist man in einer Heidelandschaft mit zahlreichem Ginster und am höchsten Punkt auf den Dreiborner Hochflächen hat man einen wunderbaren Rundumblick über den Nationalpark. Später führt der Weg zu der Wüstung Wollseifen. Dieses verlassene Dorf wirkt seltsam und sureall, aber schnell geht mein Blick wieder auf diese einzigartige Landschaft über.

Da ich gut im Zeitplan liege, kehre ich an der NS „Ordensburg“ Vogelsang ein und mache nach 3 Std. eine erste Pause und genehmige mir einen Kaffee und ein paar Waffeln. Kantinenatmosphäre wird hier geboten, aber die Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne schmecken hervorragend. Zeit für eine Besichtigung bleibt mir heute natürlich nicht mehr, aber heute ist ganz gut was los und viele Besucher nutzen die Führungen, die täglich um 14Uhr starten.

Ich muss weiter, sonst muss ich am Ende noch die Taschenlampe auspacken. Also geht´s los und so gelange ich alsbald an den Aussichtspunkt „Eifelblick“. Danach führt der Weg wieder durch den Wald. Das Licht ist jetzt – kurz vor Sonnenuntergang – einfach traumhaft schön und immer wieder bleibe ich stehen um diese Eindrücke wie ein Schwamm aufzusaugen.

Um kurz vor fünf komme ich in Gemünd an. Reiner nimmt mich dort in Empfang und macht in der Fußgängerzone noch ein Foto von mir neben dem großen Stein mit dem Schild „Etappenort Gemünd“. Gemeinsam fahren wir nach Einruhr das andere Auto holen um dann zu ihm nach Hause zu fahren.  So hatte ich am heutigen Tage sozusagen „Eifelsteig-Deluxe“ mit Hol- und Bringdienst 😉

Aber es gibt natürlich Busse, die zurück nach Einruhr fahren. Laut Fahrplan fahren diese stündlich von Gemünd zurück nach Einruhr. Ab der kath. Kirche jeweils um z.B. 15:45, 16:45 und 17:45 (Linie SB63). Hier der Plan (Seite 6)

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Dienstag, 1. November 2011 – Etappe 5 Gemünd nach Kloster Steinfeld – 17,5 km

Am Dienstag bin ich nach einem ausgiebigen Frühstück um kurz vor Zehn aufgebrochen. Die Strecke nach Gemünd kannte ich ja schon von gestern und dort hab ich in der Stadt geparkt. Hier ging es dann zunächst an der Kirche vorbei einen schmalen Pfad den Wald hoch. Noch hörte man die Verkehrsgeräusche aus dem Ort doch nach knapp 3 Kilometern erreicht man den Aussichtspunkt Kuckucksley. Von dort hat man einen guten Blick auf Olef. Hier gehts sehr steil hinunter und ich muss aufpassen nicht umzuknicken oder auszurutschen.

Bevor man Olef quert macht der Weg eine lange Schleife durch ein Tal und nach einem Blick auf die Karte denk ich noch „Was soll das denn?“, aber dieses Stück bietet landschaftlich komplett andere Eindrücke als bisher auf der Strecke. Wunderschön ist dieser Schlenker und man hat den Eindruck irgendwo im Bayrischen Wald zu sein.

Dann geht´s durch Olef und man quert an einer Brücke den gleichnahmigen Fluss. Als ich durch den Ort gehe glaube ich mich in einer Filmkulisse zu bewegen. So verschlafen und um 100 Jahre zurückversetzt komm ich mir vor. Lediglich die neuen Autos und einige Schilder zeugen davon, das dem nicht so ist.

Ab Olef gehts dann erstmal 4km nur bergauf. Die 200hm sind aber gut zu bewältigen und ziehen sich langsam zunächst durch den Wald. Auf dem Wichelsberg angekommen öffnet sich die Landschaft wieder und inmitten der Heide lädt nach ca. 8km eine Bank zu einer Rast ein. Ich genieße die offene Landschaft und die Sonne und mache eine kurze Pause.

Nach einer kleinen Stärkung führt der Weg zunächst kerzengrade durch einen breiten Waldweg, bis man runter nach Golbach kommt. Dort geht es dann – zwar idylisch – aber langgezogen entlang des Kallbaches, wo ich auf einer Weide ein Kalb beim säugen beobachten kann. Sieht man leider auch nicht so oft, das es Kälbchen vergönnt ist bei der Mutter zu bleiben und das sogar gemeinsam in einer großen Herde mit vielen anderen Kühen und Kälbern.

Langsam ändert sich die Landschaft wieder und nach der Querung der L203 geht es sanft einen Hügel hinauf. Dort oben weht ein rauher Wind und auch die Wolken ziehen sich ein wenig zu. Nach Regen sieht es aber nicht aus. Nun ist es nicht mehr weit bis zu dem Etappenziel  Kloster Steinfeld.

Kurz vor dem Kloster kann ich drei Eichhörnchen bei der Flucht beobachten. Als sie mich entdeckten, klettern sie flugs auf den Baum in Sicherheit und verharren. Ich mach zwar 2 Fotos, aber da es hier zu dunkel ist, ist die Qualität der Bilder nicht wirklich gut. Egal, die Eindrücke dieser entzückenden kleinen Wesen hab ich in bester Qualität im Kopf 😉

Am Kloster gibt´s wieder eine Portion „Eifelsteig-Deluxe“ und so komme ich unkompli-ziert nach Gemünd um die Heimreise nach Bonn anzutreten.

Mein Fazit

Ok, ich geb zu: eigentlich müsste man eine solche Tour mit Übernachtung in Gemünd, Morgens nach einem Frühstück vom Hotel/Pension starten und Rückfahrt mit Bus- und Bahn, also mit allem Zipp und Zapp machen. Aber aufgrund der knappen Entscheidung und der Umstände war ich ganz froh dieses Jahr – und vor allem bei dem traumhaften Herbstwetter – überhaupt noch in den Genuss von zwei Etappen Eifelsteig gekommen zu sein. Und dafür bin ich Reiner wirklich sehr dankbar, denn ohne ihn hätte ich die Tour nicht so unkompliziert und kurzfristig starten können. Beste Freunde sind eben „unbezahlbar“ 🙂

Was den den ökologischen Aspekt mit der ganzen Hin- und Herfahrerei angeht kann man sicher nicht von nachhaltigem Tourismus reden. Aber dies war ja die Ausnahme und normalerweise bin ich ja umweltfreundlicher mit meinem Smart unterwegs. Und wenn der nächste Woche wieder in Ordnung ist, werde ich damit auch weiter das Rheinland erobern.

Bezüglich des Eifelsteigs, hat mir die Etappe 4 zwar besser gefallen als Etappe 5, aber man kann beide nicht miteinander vergleichen, da die Landschaft und die Streckenführung sehr unterschiedlich sind. Etappe 5 hatte sicher nicht so viel Highlights wie die Eindrücke am See, den Dreiborner Hochflächen und den Weitblicken die mir am ersten Tag geboten wurden.

Dessen ungeachtet hat eine Etappenwanderung ihren eigenen Reiz. Anders jedoch als auf dem Rheinsteig, wo ich bei der Rückfahrt zum Etappenstart die ganze Strecke auch optisch Revue passieren lassen kann, durchstreife ich auf dem Eifelsteig zahlreiche landschaftlichen Eindrücke die je nach Streckenführung wechseln.

Es gab auf der Strecke nicht so viele Pfade oder Singletrails wie ich das z.B. von den Traumpfaden kenne. Da die Etappen aber viel Abwechslung boten, war dies zu verschmerzen.

Der Eifelsteig ist durchgängig gut ausgeschildert und selten musste ich mein iPhone zücken, weil ich über den Wegeverlauf unsicher war. Ich empfehle unabhängig davon eine Karte oder den Tourenausdruck von der Webseite des Eifelsteigs. Allein um in etwa abschätzen zu können, wo man sich befindet oder was einen auf der Strecke noch erwartet.

Weitere Informationen zum Eifelsteig gibt es natürlich auf der Webseite www.eifelsteig.de

Über Angelica Hocke

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5 Antworten zu Zwei Tage auf dem Eifelsteig

  1. ftb-adventures schreibt:

    Ein lesenswerter Artikel und ich kann nur jedem empfehlen, den Eifelsteig oder nur einige der Etappen zu gehen. Es ist ein Premium – Wanderweg und ist, meiner Meinung nach, einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands. Ich komme selber aus der Eifel (Nideggen) und bin auch in der Nähe des Einstieges der ersten Etappe in Kornelimünster aufgewachsen, weiß also um die Schönheit der Eifel und der Voreifel.

    Viele Grüße
    Michael

  2. Guido schreibt:

    Hab den Artikel mit viel Interesse und Freude gelesen. Selbst haben wir oben genannte Etappen im strömenden Regen zurückgelegt: auch eine besondere Erfahrung. Allerdings haben wir ein bisschen ‚gemogelt‘, indem wir von Einruhr bis zur Staumauer Bötchen gefahren sind (klappt nur in der Hauptsaison). Inzwischen haben wir es bis Neroth geschafft (zwischen Gerolstein und Daun) und wollen dort nächsten Frühling wieder anfangen, erst einmal bis Kloster Himmerod.

  3. Sascha schreibt:

    Hallo Angelica,
    ich bin die ersten vier Etappen des Eifelsteigs diesen Frühjahr gelaufen. Wobei ich besonders die dritte Etappe von Monschau nach Einruhr empfehlen kann. Wirklich wunderschön und Abwechslungsreich. Leider mussten wir diese im Regen zurücklegen, aber das hat auch nicht wirklich gestört, vor allem weil diese Etappe viele schmale Pfade enthält, welche du ja bei deinen Etappen vermisst hast. Anders als die zweite und vierte Etappe.
    Bei der Etappe nach Gemünd, ist das Bauencafe in Morsbach sehr zu empfehlen. Da lohnt es sich wirklich die 400m von der Strecke abzuweichen. Das Cafe ist wunderschön ausgebaut und lädt wirklich zu einer Pause ein.
    Für Ende Oktober sind die Etappen 5-8 geplant, von Gemünd nach Hillesheim
    Gruss Sascha

    • Angelica Hocke schreibt:

      Hallo Sascha
      Das liest sich gut. Die ersten drei Etappen fehlen mir ja noch. Das muss ich irgendwann auch einmal nachholen. Daher Danke für die Tipps.
      Euch wünsche ich viel Spass bei weiteren Erkundungen des Eifelsteigs und schicke viele Grüße
      Angelica

  4. Pingback: Die Wasserlandroute: Wandern am Eifel-Amazonas | WandernBonn.de

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